Sebastian Kautings Leben war wie ein Novembertag. Grau, düster, langweilig floss es dahin. Als Versicherungsvertreter raste er von einem Kunden zum anderen. Gleichmütig erklärte er seinen Kunden die Vorteile der Produkte, die er verkaufen sollte. Nur selten erblickte ein Hauch von Leidenschaft das Licht seiner Welt.
Ebenso grau wie sein Leben war auch die kleine Stadt Essleben. Umgeben von bördiger, fruchtbarer Landschaft lag der traurige Ort in trister Langeweile. Was niemand vermutet hätte: Es gab sogar einen Bahnhof in diesem Städtchen, das mit seinen paar Tausend Einwohnern eher zu den kleineren gezählt werden musste. Was aber das eigentlich Merkwürdige war, was, dass sich unmittelbar neben dem Bahnhof ein Hochhaus über der Stadt erhob, ein altes Speichergebäude, in dem in den letzten Jahren komfortable Wohnungen eingerichtet worden waren.
In diesem Haus wohnte der Manager Carl-Gustav Heinrichs. Und es war einer der wenigen sonnigen Tage im grauen und tristen Dasein von Sebastian Kauting, dass Heinrichs ihn zu sich lud, um mit ihm über Versicherungen zu reden.
Heinrichs’ Wohnung thronte im Obergeschoss des Hauses, genauer gesagt in dessen obersten Geschossen. Sie erstreckte sich über drei Etagen. Der Fahrstuhl brachte den Besucher bis in die siebte Etage des Hauses. In der Wohnung selbst galt es dann eine Stiege zu bewältigen, ehe man in den achten und neunten Stock kam, und damit ganz oben über der Stadt in die Schlafgemächer des Herrn Heinrichs. Diese Wohnung disponierte Heinrichs nur für sich und seinen Hund, den er sich wochenweise mit seiner Frau teilte, die ihn vor Jahren verlassen hatte. Da die Kinder der Heinrichs bereits erwachsen und aus dem Hause waren, hatte man gemeinsames Sorgerecht für den Hund Paule vereinbart.
An jenem sonnigen Oktobertag indes war Heinrichs nicht allein im Haus als Kauting bei ihm läutete. Beim Geräusch der Klingel schlug der Hund an, aber es war etwas anderes, was in der Tat des Merkens würdig war.